Alle wichtigen Begriffe rund um zeitgemäßes Sprachenlernen
ABC Sprachlexikon
Scaffolding
Ein Lerngerüst für die Lernenden zu schaffen. Dieses dient als Orientierungsgrundlage und bietet einen Überblick übers Unterrichtsgeschehen sowie Unterstützung beim selbstständigen Lernen. Die Lernenden sollen durch Scaffolding nur die nötige Hilfe bekommen, die sie benötigen um selbstständig zu Lernen.
+ Die Kombination aus selbstständigem Lernen und notwendiger Unterstützung hilft gut und effektiv zu lernen.
- Bedarf einer guten Vorbereitung und Planung der Lehrperson.
Selbstlernen
Im Gegensatz zum Kursformat, kann eine Sprache auch eigenständig gelernt werden. Dies Bedarf jedoch einer hohen Selbstdisziplin und guten Kenntnissen mit welchen Tools, Programmen und Materialien gelernt werden kann. Das Selbstlernen als Zusatz zum Kursformat zu nutzen ist empfehlenswerter.
+ Flexibilität und eigenes Zeitmanagement.
- Mehr Anstrengung, Eigeninitiative, Wissen und Motivation notwendig.
- Kein Feedback.
Selbstlernkompetenz
Die Kompetenz, die für Selbstgesteuertes, bzw Selbstreguliertes Lernen notwendig ist. Das selbstbestimmte Lernen wird initiiert, organisiert und geeignete Lernstrategien eingesetzt. Gerade in Zeiten der Digitalisierung wird die Selbstlernkompetenz immer wichtiger.
Selbstreguliertes Lernen
Selbstreguliertes Lernen wird durch Dinge wie asynchronem Lernen (→ siehe Asynchrones Lernen), E-Learning (→ siehe E-Learning) und mobilem Lernen (→ siehe Mobiles Lernen) immer wichtiger. Selbstreguliert zu Lernen heißt selbstbestimmt über den Lernvorgang zu entscheiden, sich eigene Ziele zu setzen und den Lernprozess zu überwachen. Dabei gibt es drei Phasen:
• Vorbereitungsphase: Planung des Lernprozesses, Zielsetzung, Aufgabenanalyse
• Performanzphase: Einsatz von Lernstrategien, Monitoring
• Bewertungsphase: Reflektion und Evaluation des Lernergebnisses
+ Durch die Vorbereitung des Lernprozesses (Zielsetzung und Planung) wird die Lernmotivation gesteigert. Gleichzeitig bietet sie die Möglichkeit während des Lernens, sowie im Anschluss den eigenen Lernprozess zu kontrollieren und zu evaluieren.
- Viele Methoden (Zielsetzung, Einsatz von Lernstrategien, Evaluation) müssen zunächst gelernt werden, um durch den richtigen Einsatz die Effektivität zu steigern. Bei der Zielsetzung wird beispielsweise empfohlen, diese nach dem SMART-Prinzip (→ siehe Lernziel) zu formulieren.
Simulationen
Eine Situation, in der ein Lerngegenstand angewendet werden soll, wird im Lernprozess simuliert. Eine Simulation kann durch 3D-Umgebungen oder Digitale Lernspiele (→ siehe Game-based Learning) erzeugt werden. Der oder die Lernende bewegt sich der simulierten Umgebung und führt Aufgaben aus.
+ Es wird aktiv gelernt (→ aktives Lernen), die Lernsituation gleicht der späteren Anwendungssituation.
- Aufwendig in der Gestaltung.
Situiertes Lernen
Lernen sollte in möglichst authentischen Lernumgebungen stattfinden. Beim situierten Lernen wird versucht praxisorientiert und an einen realen Kontext geknüpft zu lernen. Die Lernenden beschäftigen sich aktiv mit dem zu erlernenden Stoff (→ siehe aktives Lernen)
+ Die Anwendung des Gelernten fällt leichter, wenn situiert gelernt wurde. Somit einfachere Übertragung auf den Arbeitskontext.
+ Sich mit realen Situationen auseinanderzusetzen steigert die Motivation.
Social Media Learning / Social Networking
Beim Lernen über Soziale Medien können Menschen mit ähnlichen Interessen zusammenkommen, völlig egal wo sie leben. Es können Gruppen zusammenkommen, die gleiche Ziele oder Interessen haben oder sich einzelne Menschen zusammenschließen. Die Kommunikation untereinander führt zu einem Lerneffekt.
+ Interaktion mit Muttersprachler:innen möglich.
+ Synchrone und asynchrone Kommunikation möglich.
- Keine Überprüfung der Richtigkeit.
Songs
Man kann mit Liedern auf zwei verschiedene Arten Sprachen lernen:
Unterbewusst: Hört man viel Musik auf einer (Fremd-)Sprache erleichtert dies ein Gefühl für die Sprache zu bekommen. Im Nachhinein wird es einem leichter fallen neue Wörter zu lernen, da man diese unterbewusst schon häufig gehört hat.
Bewusst: Das aktive Sprachenlernen mit Hilfe von Liedern, kann über Songs geschehen, die als Lernmaterialien kreiert wurden (z.B. Alphabet-Songs), oder aber durch Lieder von Musikern. Schaut man sich die Übersetzungen der Lieder an, erlangt man beim aktiven Hören nicht nur ein Gefühl für die Sprache, sondern baut auch Vokabular auf und bekommt ein Gefühl für grammatikalische Strukturen.
Soziales Lernen
Menschen lernen mit- und voneinander. Das kann online über soziale Medien oder E-Learning-Formate passieren als auch im Präsenzunterricht durch Gruppenarbeiten etc. In der Lernpsychologie wird Soziales Lernen auch als Beobachtungslernen beschrieben. Das Lernen passiert durch die Beobachtung von Handlungen anderer Menschen.
+ Die Interaktion zwischen den Lernenden sorgt für ein aktiveren Lernprozess, mehr Motivation und Spaß.
+ Im Fremsprachenlernen können durch die Interaktion Sprachhemmungen vermieden werden.
- Beim Sozialen Lernen über die sozialen Medien gibt es keine Kontrolle. Ein kritisches Denken und Hinterfragen ist hier notwendig.
Spaced Repetition
Die Wiederholung des Gelernten mit immer größer werdenden Zeitabständen. Die Zeitabstände variieren je nach Vorwissen, Komplexität, Umfang und die eigene Lernkapazität. Die ganz pauschal gesprochene Grundempfehlung ist jedoch den Zeitabstand zwischen den Lernintervallen immer zu verdoppeln (Bsp.: Lernen an Tag 1, Tag 2, Tag 4, Tag 8, Tag 16, etc.). Einige Online-Lernprogramme (z.B. Anki, SuperMemo) verwenden Spaced Repetition für die vorhergesehenen Wiederholungszyklen.
Spracherkennung
Viele Sprachlernapps (→ siehe Apps) oder webbasierte Programme verwenden eine Spracherkennung, damit auch die Aussprache der neu gelernten Dinge kontrolliert werden kann.
+ Ermöglicht alle wichtigen Bestandteile der Sprache (Sprechen, Hören, Lesen, Schreiben) in Sprachlernapps und Programme zu integrieren. Gerade das Sprechen kommt sonst oft zu kurz.
+ Objektive Bewertung der Aussprache, Angst Dinge falsch auszusprechen verringert sich vor einem Programm.
- Technologie noch nicht so gut entwickelt, dass es äquivalent zu Sprachtrainer:innen ist.
Sprachimmersion
Das Fremdsprachenlernen erfolgt nach den Prinzipien des Mutterspracherwerbs. Personen werden in ein fremdsprachiges Umfeld gesetzt und erwerben die Fremdsprache beiläufig. Das kann durch ein Auslandsaufenthalt passieren, oder durch die Gestaltung des Unterrichts. Geschieht in den Live-Sitzungen (→ siehe Live-Sessions) alles in der Fremdsprache und die Fremdsprache wird zusätzlich in den Alltag integriert (durch Radio, Fernsehen, Musik in der Fremdsprache), wird auch durch Immersion gelernt. Eine andere Form ist durch Virtuelle Realität oder Simulationen eine Auslandsumgebung zu kreieren.
+ Umgangsformen und die Kultur werden parallel vermittelt, kein Übersetzen in Muttersprache, daher können unterschiedliche Muttersprachler:innen gemeinsam die Fremdsprache lernen.
+ Besonders für Jüngere geeignet, um eine Zweitsprache zu lernen.
- Das völlig intuitive reicht bei älteren Lernenden häufig nicht ganz aus.
Sprachtrainer:in / Lehrende / Faciliator
Sprachtrainer:innen wirken eher lernbegleitend, vermittelnd und moderierend im Lernprozess. Vor allem bei Ansätzen wie dem aktiven Lernen (→ siehe aktives Lernen) oder in individualisierten Lernprozessen. Der oder die Sprachtrainer:in ist für einen runden Ablauf des eigenständigen Lernprozesses zuständig sowie um das notwendige Feedback (→ siehe Feedback) zu geben. Nach dem Prinzip des Scaffolding (→ siehe Scaffolding) gibt er das notwendige Gerüst für ein gutes eigenständiges Lernen. Das funktioniert unter Anderem durch das Vermitteln von Lernstrategien und Anregungen, die ein autonomes Lernen bzw. Erarbeiten fördern.
+ Eigenständiges Erarbeiten und Lernen wird gefördert.
+ Die Lehrperson kann jede Person so in ihrem Lernprozess unterstützen und gibt nicht das Lerntempo und die Lernmethode vor. Dadurch wird effektiver gelernt.
- Für Sprachtrainer:innen kann es schwer sein, die notwendige Hilfestellung, aber jedoch nicht zu viel Hilfe zu geben.
- Für einige Lernende kann es eine Umgewöhnung sein die Lehrperson eher als Lernbegleitung zu sehen und sich Dinge eigenständig zu erarbeiten.
Sprachtraining
Lernen in einem Kurs mit anderen Menschen zusammen. Dabei gibt es variierende Gruppengrößen und die Häufigkeit der Treffen weicht ab, je nachdem welches Format gewählt wird.
+ Professionelle Sprachtrainer:innen zur Unterstützung.
+ Lernen in einer Gruppe wirkt motivierend.
- Eigenständiges Lernen trotzdem notwendig, um schnell Fortschritte zu machen.
Sprachzertifikate
Sprachzertifikate bestätigen einen bestimmten Kenntnisstand, den man auf einer Sprache erreicht hat. Diese können durch das Ablegen einer Prüfung (+ ggf.vorbereitendem Sprachkurs) erhalten werden. Für englisch und deutsch gibt es zum Beispiel folgende Zertifikate:
• Englisch: TOEIC Test of English for International Communication, TOEFL (Test of english as a foreign language) und BULATS (Business language testing service), EFB (english for business) EFC (english for commerce)
• Deutsch: DSD (Deutsches Sprachdiplom), WiDAF: Deutsch als Fremdsprache in der Wirtschaft.
Standardsprache
Die Standardsprache ist die alltagstaugliche und allgemeinsprachliche Sprache, also die Sprache des alltäglichen Lebens. Die Inhalte umfassen die Sprache der alltäglichen Konversation, der Zeitungen, des Radios, der Einkäufe etc. Die Sprachkurse zur Standardsprache reichen von der Niveaustufen A1 bis C2. Trainiert werden die Fertigkeiten in den Teilkompetenzen Sprechen, Schreiben, Hör- und Leseverstehen.
Synchrones Lernen
Synchrones Lernen ist das Lernen in einem Präsenz- oder Onlineseminar, das zu einem festgelegten Zeitpunkt stattfindet. Die Kommunikation findet also in Echtzeit statt.
+ Direkte Interaktion zwischen Lernenden und Lehrendem.
+ Es können aufkommende Fragen direkt gestellt und beantwortet werden.
+ Die Lehrperson behält ein Überblick über den Lernstand der Lernenden.
+ Das gemeinschaftliche Lernen kann motivationsfördernd wirken.
- Die Lernenden können sich die Zeit zum Lernen nicht selbst aussuchen.
- Für das synchrone Online-Lernen ist eine dauerhaft stabile Internetverbindung notwendig.
→ Siehe im Gegensatz dazu: Asynchrones Lernen
